Zwischen Mittelmeer und Jordan

by Lennart on Januar 2, 2013

Jedes Land ist anders. Zunächst fallen einem natürlich die großen Dinge auf: Das Wetter, die Sprache oder auch das Essen. Inspiriert von einem Blog von Freunden, die derzeit auch im Ausland studieren, gibt es hier mal eine Auflistung einiger offensichtlicher Dinge aber auch von Nebensächlichkeiten, die man erst auf den zweiten Blick bemerkt, wenn man in Israel lebt:

Du weißt, dass du in Israel bist, wenn…

  • … ein Land von der Größe Hessens an drei Meeren liegt, weitestgehend aus einer Wüste besteht und man trotzdem im Winter Ski fahren kann.
  • … du häufig Soldaten siehst, deren Waffe im Bus gerne auch mal in deine Richtung zeigt.
  • … du im November noch mit kurzer Hose und T-Shirt rumlaufen kannst und auch im Dezember selten eine Winterjacke brauchst.
  • … du bei einem normalen Mc Donald’s keinen Cheeseburger bestellen kannst, weil Milch und Fleisch getrennt werden.
  • … du kein öffentliches Gebäude betreten kannst (Supermarkt, Universität, Bar, Central Bus Station), ohne deine Tasche vorher von einem Sicherheitsmann kontrollieren zu lassen.
  • … du für Bier im Supermarkt 2€, in einer Bar sogar 6€ bezahlst.
  • … die Lebenshaltungskosten generell höher sind als in Deutschland.
  • … du dir nicht sicher bist, ob du auf der richtigen Toilette bist, bis dir wieder einfällt, dass es in den meisten Bars und Restaurants nur einen gemeinsamen Raum für Männer und Frauen gibt.
  • … fast überall offene W-Lan Netzwerke zu empfangen sind, sogar in Zügen und vielen Bussen.

„Die Wirklichkeit erschließt sich am einfachsten zitatenweise.“ – Elazar Benyoëtz

by Lennart on November 11, 2012

Ehrliche Frage: Liest du noch viel?

Früher hab ich viel gelesen, oh ja, sehr viel. Häufig gingen die „kleinen“ Bücher mit 100-150 Seiten an einem Tag weg. Doch mit zunehmendem Alter nahm das Lesen ab; genauso, wie unsere Welt schneller und hastiger zu werden scheint. Ich weiß gar nicht, ob ich unbedingt insgesamt weniger lese als früher, allerdings sind es heute viel eher kurze Texte. Für längeres Lesen fehlt im Vergleich oftmals sowohl die Zeit (bzw. wohl eher, dass ich mir die Zeit bewusst nehme) als auch leider die Konzentration.

Neues Netz

Ob die Texte, die man liest, jetzt kürzer oder länger sind (und was daraus folgt) ist ja ein Thema für sich. Das Hauptaugenmerk sollte doch erst einmal darauf liegen, ob sie gut sind oder nicht. Der eine liest mehr, der andere weniger. Was allerdings feststeht: Jeder liest. In Zeiten, in denen pro Minute über 60 Stunden Videomaterial zu YouTube hochgeladen werden und man nur allzu schnell den Überblick im medialen Internetdschungel verliert, ist die Suche nach den Perlen gar nicht so einfach.

Und jetzt?

Genau diesem Problem hat sich QUOTE.fm, ein junger Internetdienst aus Hamburg, angenommen. Worum es geht? Texte! Jedem laufen ab und zu großartige Zeilen über den Weg, deren Links man sich bisher nur per Email geschickt oder auf Facebook geteilt hat. QUOTE.FM vereinfacht und revolutioniert diesen Vorgang. Hat man einen guten Text gefunden, wählt man flugs zwei markante Sätze aus, klickt die Browser-Erweiterung und fertig: Die Empfehlung erscheint auf der Website. Dieses Zitat lässt andere viel eher erkennen, ob der Text sie interessieren könnte. Sie drohen nun nicht mehr im Wust des zu viel unterzugehen und müssen sich andererseits nicht mit dem zu wenig der reinen Überschrift zufrieden geben. Durch diese Appetitanreger landen die gesuchten Perlen nicht mehr ständig vor den Säuen.

 

Ich persönlich bin sehr begeistert von QUOTE.fm. Einerseits ist das Design aufgeräumt, neu und hübsch, andererseits habe ich durch die Plattform schon mehrere brillante Stücke gefunden, die nicht von den gängigen Mainstream-Websites stammten.

Meine kleine Zitatebibliothek findet sich hier: http://quote.fm/lennardodavinci

Surreale Lebenslust

by Malte on Oktober 5, 2012

Momentaufnahmen aus Valencia

Das Leben pulsiert durch das Labyrinth aus Gassen und Seitenstraßen, der Geruch von Benzin hängt leise in der stillstehenden Luft und der Klang von Autohupen füllt die hellbraunen Häuserschluchten. Ich lege meinen Kopf in den Nacken, schaue nach oben in den wolkenlosen Himmel und kneife die Augen beim Blick in die grelle Nachmittagssonne zusammen. Vielleicht ist die drückende Hitze schuld oder die eigene Unausgeschlafenheit, doch ich fühle mich, als würde ich träumen. Die gesamte Situation erscheint mir surreal, als wären die unzähligen Menschen auf der Straße nur engagierte Statisten in einem Theaterstück, das für die Touristenscharen tagtäglich aufgeführt wird.

Typische Straße in Valencia

Die Zigarette schmeckt stark und hinterlässt ein angenehmes Schwindelgefühl. Ich sitze auf dem einzigen sonnenbeschienenen Fleck der Calle Conquista, in der mir eine humpelnde Taube Gesellschaft leistet. Ich frage mich, wie genau ich hier eigentlich hergekommen bin, doch irgendwie gefällt es mir hier und auch dieses Gefühl. Nicht weit entfernt baut der Barmann seine Stühle auf und Beatriz tritt gerade aus der Tür heraus, um mit Paco, dem kleinen Hund mit dem umgedrehten Bein, spazieren zu gehen.

Ich spüre, wie der Sand angenehm zwischen meinen Zehen kitzelt, während das Meer leise im Hintergrund wispert. Der Wind streichelt mir leicht über den nackten Rücken und ich merke noch, wie ich in Richtung Schlaf davondrifte.

Valencias Strand mit Palmen

Mit Sand in den Haaren und dem Geruch von Sonnenmilch und Sommer auf der Haut sitzen wir im Taxi und gleiten durch Kreisverkehre. Im lauen Schein der Abendsonne unterhalten wir uns mit dem Taxifahrer in gebrochenem Spanisch über Musik, um letztendlich bei Pink Floyd zu landen. Dann ist es einer dieser Momente und wir schweigen im stillen Einverständnis und gucken durch unsere Sonnenbrillen aus dem Fenster, weil es so am Besten ist.

Wildes, unruhiges Menschengedränge und sorgenfrei nach oben emporgestreckte Hände umringen mich. Wir tanzen zu schlechter Musik unter dem wolkenfreien Sternenhimmel, einfach um nicht still zu stehen, um noch nicht den unerwarteten Morgen begrüßen zu müssen. Es ist schon spät oder vielleicht auch früh, doch das ist hier so und kümmert auch keinen und mich in genau diesem Moment am allerwenigsten.

Dumpfe Glockenschläge hallen durch die laue Sommernacht, während ich im dreckigen Unterhemd mutterseelenallein bei geöffnetem Fenster auf der Couch im Wohnzimmer sitze. Gegen das leichte Hungergefühl im Bauch hole ich mir eine Kiwi auf einer Untertasse und trinke dazu ein kühles Wasser ohne Kohlensäure direkt aus der Plastikflasche. Die mit Ornamenten verzierte Decke ist hoch und macht, dass ich nicht einen müden Gedanken ans Schlafen verschwende. Der Moment im Mondlicht ist wertvoller als alle Ruhe, die ich niemals finden werde.

Fotos: Kolja Czudnochowski

 

Geflügelspezialitäten auf der Hühnerbrust

by Lennart on September 20, 2012

Eine Geschichte, die sich so oder so ähnlich wohl in vielen Bremer Haushalten abgespielt haben dürfte:

Ärger

Ralle ist seit langen Jahren Werder-Fan. Er hat die großen Jahre unter Otto Rehhagel in guter Erinnerung, die Durststrecke unter Trainern wie Dixie Dörner durchgestanden und unter Thomas Schaaf Erfolge gefeiert. Nachdem der Werder-Motor in letzter Zeit ins Stocken gekommen war, gab die soeben abgeschlossene Saisonvorbereitung viele Gründe zur Hoffnung. Endlich war die Mannschaft mal wieder fast die ganzen Wochen zusammen und wurde von Verletzungen weitestgehend verschont. Auch Klaus Allofs schien mit seinen Transfers wieder mal ein glückliches Händchen bewiesen zu haben und Thomas Schaaf überraschte seine Kritiker, als er nicht krampfhaft an der Raute festhielt sondern auf ein modernes 4-3-3 umstellte.  In Hamburg konnte man mit Siegen über Borussia Dortmund und Bayern München überraschend den Liga-Total-Cup gewinnen. Alles war gut.

Doch nun ist Ralle empört; die gute Stimmung scheint verflogen. Werder Bremen, sein Verein, hat einen neuen Trikotsponsor: Wiesenhof. Er kannte das Unternehmen bisher zwar nur für die Bruzzzler, doch nach dem, was nun zu lesen ist, ist er richtig sauer. Zunächst konnte er die allgemeine Aufregung gar nicht einschätzen und setzte sich deswegen vor seinen Computer. Bei YouTube fand Ralle ein Video der Tierschutzorganisation PETA:

(Vorsicht, nicht für schwache Nerven)

Was dort zu sehen ist, geht gar nicht! Die Enten werden so schlecht behandelt, so kann das doch nicht weitergehen. Dass es sich immerhin um ein Video einer Tierschutzorganisation handelt, die die Situation eventuell einseitig beleuchten könnte und gar nicht auf der Suche nach objektiver Wahrheit ist, kommt ihm nicht in den Sinn.

Er hat als Fan schon viel mitgemacht. Auch die letzten Hauptsponsoren (Citibank/Targobank, Bwin, KiK) waren zweifelhaft, aber dieses Engagement des Geflügelschlachters bringt nun das Fass zum Überlaufen. Wiesenhof werden neben der Tierquälerei noch schlechte Arbeitsbedingungen und Subventionsbetrug vorgeworfen!

Rahmenbedingungen

Er versteht gar nicht, warum Werder sich das antut! Dieser Verein kann es doch gar nicht nötig haben, einen solchen Sponsor ins Boot zu holen. In der Zeitung liest er, dass der Verein eine Agentur beauftragt habe, einen neuen Hauptsponsor aufzutun. Infront übernahm dabei das Risiko und war bei einer erfolglosen Suche dazu verpflichtet eine Garantiesumme von geschätzten 5 Millionen Euro zu zahlen. Ihm ist nicht bewusst, dass Werder damit sein Vetorecht quasi mitverkauft hat. Als echter Bremer wünscht er sich seit Jahren schon eine Zusammenarbeit mit Beck’s, seinem Lieblingsbier. Was könnte schöner sein als diese Kooperation, der zwei typisch bremischen Marken? Der Bierbrauer wird sich aber kaum darauf einlassen, da doch beispielsweise in Hamburg massive Umsatzeinbußen zu erwarten würden, ähnlich der Situation, dass wohl so gut wie kein Dortmunder Veltins trinkt. Aber soweit denkt Ralle nicht.

Öffentlichkeit

Als er sich nachmittags auf Facebook seine Zeit vertreibt, fällt ihm eine frisch gegründete Fanpage auf, die schon einigen seiner Freunde gefällt. Eine Seite von Werder-Fans gegen Wiesenhof. Ralle ist begeistert. Endlich kann er seinem Ärger Luft machen und es dem Verein zeigen! Schnell den Button mit dem ausgestreckten Daumen angeklickt und einen wütenden Kommentar geschrieben. Jetzt müssen „die da oben“ doch mal ins Nachdenken kommen!

Die Medien reagieren auf die Fanpage ähnlich begeistert und können endlich ihr Sommerloch füllen. Für den anstehenden Tag der Fans richtet man sich auf große Proteste ein. Dem Protestmarsch vom Hauptbahnhof zum Stadion schließen sich allerdings nur um die 50 Leute an.

Auch Ralle ist zur Saisoneröffnung gekommen, will er sich die Vorfreude auf die neue Saison doch nicht ganz verderben lassen. Als mittags die Verantwortlichen zum öffentlichen Geschäftsführer-Talk zusammen sitzen und Klaus Allofs allen Ernstes meint, bei der Entscheidung für Wiesenhof sei es nicht nur um Geld gegangen sein, kann er sich nicht mehr halten, gemeinsam mit anderen stimmt er in laute Buh-Rufe ein. Wie kann der Mann nur so eine Lüge verbreiten! Eiskalt!

Später beim Testspiel gegen Aston Villa steht er in der Ostkurve, wie immer. Eine kleine Dreiergruppe, hält Plakate hoch und versucht, die anderen Fans zu „Scheiß-Wiesenhof“-Gesängen zu animieren. Ralle ist kurz davor, mitzuschreien, doch er sieht, das ist den anderen Zuschauern in diesem Augenblick herzlich egal. Sie wollen nicht gestört werden und in Ruhe das Spiel beobachten und so schweigt auch er.

Moral von der Geschicht‘

Abends nach dem Spiel, das 3:3 ausgeht, trifft Ralle sich noch mit seinen Freunden zum Grillen. Er hat zu sich nach Hause eingeladen und für alles gesorgt. Er genießt das Beisammensein und der Ärger verraucht mit den Schwaden, die vom Grill aufziehen.

Dass er das Grillgut vorher noch günstig beim Discounter im Sonderangebot erstanden hat und sich dafür noch auf die Schulter geklopft hat, vermag er nicht mit dem Unternehmen in Verbindung zu bringen, das fortan Werders Trikots zieren wird. Kritikfähig ist er, ja. Aber leider nur anderen, nicht jedoch sich selbst gegenüber.

Der Erwachsenenspielplatz für die Kind gebliebenen

by Malte on August 27, 2012

Das Paris des Ostens wird sie auch genannt, die ungarische Stadt an der Donau und tatsächlich fühle ich mich ein wenig an die Seine-Metropole erinnert, als wir aus der U-Bahn-Station hinaus ans grelle Sonnenlicht klettern. Allen voran die alten Sandsteinbauten mit ihren verschnörkelten, schwarzmetalligen Balkongittern und die breite, dicht befahrene Straße, die wir auf dem Weg zu unserem Hostel entlanglaufen, drängen den unreflektierten Vergleich allzu vehement in die Wahrnehmung. Plötzlich dann kleine, schattige Seitengassen, in denen das stete Brummen der Großstadt allmählich verstummt. Ein letzter versichernder Blick auf die Karte und wir betreten einen zwielichtigen Hinterhof – und stehen mitten im Dschungel.

Rote Papierarmbändchen zieren unsere Handgelenke und lassen uns zum Teil der illustren Gesellschaft werden, deren Dresscode aus Bandanas, zerrissenen Jeans und Tanktops besteht. Englisches Stimmengewirr und übermütiges, sich drehendes Gelächter mischen sich mit Biergeruch und unruhiger Aufbruchstimmung. Geschlossen zieht die Karawane zum Fluss hinunter, der sich zwischen den einst getrennten Stadthälften entlangschlängelt und betritt das schaukelnde Boot. Wir passieren das Parlamentsgebäude mit einer halbvollen Flasche aufschäumendem Sekt und berühren den Nachthimmel mit unseren Händen. Wir platzen vor Freiheit.

Budapest

Surrend rauscht der Asphalt unter dem Board entlang, als ich mich erneut kräftig vom Boden abstoße und von der Welt vergessen werde. Meine Kopfhörer geben den Takt vor, zu dem ich mit dem Fahrtwind in den Haaren zwischen parkenden Autos entlanggleite. Der Bürgersteig an der Hauptstraße ruft und ich folge, kurve zielstrebig zwischen menschlichen Slalomstangen hindurch in Richtung Nirgendwo.

Halbnackte Körper schweben wie schwerelos im Wasser umher. Die ohrenbetäubend laute, doch fast zum Hintergrundgeräusch geratende Musik, wird unregelmäßig von markerschütternden Freudenschreien übertönt. Lichtblitze offenbaren im Sekundentakt klitschnasses Fleisch, verwischte Wimperntusche, lüsterne Blicke. Wie in Extase, dreht der Strudel sich um sich selbst und wirbelt einen nicht abreißenden Strom Mensch unaufhörlich im Kreis herum. Irgendwo dort hinten wacht das uralte, angestrahlte Gemäuer über das Treiben. Hier ist niemand erwachsen und wenn doch, dann hat er es auf dem Weg vergessen.

Wunderbar listenreich

by Malte on August 6, 2012

Die To-Do-Liste 2.0

Vermutlich schon als alter Hut zu klassifizieren, mir aber dennoch extrem heiß unter den Nägeln brennend, ist diese ebenso simple wie geniale und kostenfreie App des Berliner Start-Ups 6Wunderkinder. Wunderlist heißt sie und sie hilft Dinge zu organisieren. Nicht mehr und nicht weniger. Eine schlanke To-Do-List, die ununterbrochen und auf beliebig vielen Geräten synchronisiert wird. Ein bisschen kategorisieren kann man die eingetragenen Aufgaben, einen Fälligkeitstermin und Notizen lassen sich auch noch hinzufügen. Zudem kann man seine Liste mit Freunden teilen. Davon abgesehen ist dann aber auch schon das Ende der Fahnenstange an ausgeklügelten Funktionalitäten (die man, wenn wir mal ehrlich sind, eh selten bis niemals benutzt) erreicht. Weil weniger manchmal eben wirklich mehr ist.

Allein das Erfolgsgefühl, wenn man einen Punkt mit einem Mausklick vom Bildschirm streichen kann, spornt an. Allein den Überblick über alle anzugehenden Aufgaben an einem Platz strukturiert aufgelistet zu haben motiviert. Perfekt für Menschen, die unter der Volkskrankheit der chronischen Prokrastination leiden oder sich einfach nur ein klein wenig besser organisieren möchten. Spätestens an dieser Stelle sei allen Studenten der sprichwörtliche Zaunpfahl durchs Auge gerammt.

Das für mich einzige Manko: Der gewisse Knoten-im-Taschentuch-Effekt, wenn mir in der Bahn siedend heiß ein dringender Wunderlist-Eintrag durch den Kopf schießt, ich aber zu Hause nicht die geringste Ahnung habe, was genau ich denn nun einzutragen gedachte. Beruhigt sei der (wahrscheinliche Groß-)Teil der geneigten Leserschaft, der in Besitz eines Smartphones inklusive eines Internetzugangs ist. Damit ausgestattet kann man nämlich auch von unterwegs Aufgaben auf seine Liste kritzeln und diese nach Erledigung befriedigt streichen.

Alles in allem ein wirklich ansprechendes Tool, das gerade durch den Verzicht auf hoffnungslose Überladung und unergründliche Funktionsdichte überzeugt. Ich spreche meine Empfehlung uneingeschränkt aus. Und jetzt kann ich diesen Artikel ENDLICH von meiner Wunderlist klicken.

Der Panda im Affenzirkus

by Malte on Juli 25, 2012

Die einen sind Cro, die anderen contra

Ein Hin- und Herüberlege, war es. Orakel wurden befragt, Münzen geworfen und sich nächtelang schlaflos und schwitzend im Bett herumgerollt. Zugegeben, eine ein wenig überspitzte Darstellung der Wirklichkeit. Doch bei dem Grad an Mäulerzerreißung, den das weltweite Netz zum Thema Cro momentan erlebt, sollte man schon genauestens abwägen, ob man sich in die schier endlose Meute selbsternannter Musikkritiker einreihen will. Trotz drohender Trivialitätsgefahr, war ein Stellungsbezug zu dem Debütalbum des Stuttgarter Pandamaskenträgers dann doch zu prädestiniert für diese deutschrapaffine Plattform, als dass man den Hype unkommentiert hätte vorbeiziehen lassen können.

Wer das letzte Jahr als Eremit verbracht hat, dem soll an dieser Stelle noch eine fixe Kurzzusammenfassung gewährt werden. Ein Suchaufruf per Tweet von Gute-Laune-Rapper und Orsons-Mitglied Kaas war der Stein des Anstoßes. Cro konnte ausfindig gemacht und für das Stuttgarter Indie-Label Chimperator verpflichtet werden. Kurz darauf erschien das Video zur Hitsingle „Easy“, welches mittlerweile fast 24 Millionen Klicks auf YouTube verbuchen kann. Der bürgerliche Carlo Waibel avancierte über Nacht zum zentralen Gesprächsthema der Deutschrapszene, nicht zuletzt wegen seiner Pandamaske, die er in der Tradition eines Sido stets zu tragen pflegt. Mit seinem unbeschwerten, radiotauglichen Sound kommt er dabei so ziemlich bei jedem an, vom 11-jährigen Schuljungen bis hin zur Hausfrau in den Mittvierziegern – und erntet dafür natürlich innerhalb der Rapszene einiges an Spott und Verachtung. Hipsterrapper, Marketingprojekt, Kommerzhure – das sind wohl die gängigsten Vorwürfe gegen Cro, der es laut lauten Kritikerstimmen nicht richtig real gekeeped hat. Der Charteinstieg auf die 1 des kürzlich veröffentlichten Albums „Raop“ gießt dabei noch einmal zusätzliches Öl ins Feuer und heizt die Diskussion um den Maskenmann weiter an.

Fernab aller Sellout-Vorwürfe und Hassbekundungen kann ich für meinen Teil nur behaupten, dass ich mich seit Albumrelease in Gefangenschaft der Cro’schen Dauerschleife befinde. Allmorgendlich wache ich mit einem anderen Cro-Song im Kopf auf, der mich direkt dazu veranlasst das Album sofort anzuschmeißen. Der nächste Hördurchgang sorgt dann zuverlässig dafür, dass sich ein weiterer Ohrwurm in meinem Gehörgang einnistet und ich das Album erneut spielen muss. Ein bislang nicht endender Teufelskreis mit akuter Überhörungsgefahr.

Cro rappt lässig über boom-bappig anmutende Beats, die die 90er gekonnt in die heutige Zeit verpflanzen. Thematisch wird fast ausschließlich bekömmliche Kost geboten, wobei die 13 Track starke Platte textlich von jugendlicher Unbeschwertheit und blauäugiger Lebensfreude getragen wird. Meine persönlichen Highlights sind, abgesehen von „Easy“, dabei das technisch versierte „Intro“, die Ohrwürmer „King of Raop“, „Du“ und „Einmal um die Welt“ sowie das Nackenmuskelkater verursachende „Meine Zeit“. Die Songs sind durchweg eingängig und lassen ungetrübte Sommerstimmung aufkommen, wobei jedoch jeglicher Tiefgang (abgesehen von „Ein Teil“) vergeblich auf sich warten lässt.

Mein abschließendes Fazit: Cro hat amtlich abgeliefert. Direkt am Anfang des ersten Introparts proklamiert der Panda in routinierter Doubletime er habe „wieder mal Erwartungen übertroffen.“ Und ich finde das hat er auch. Doch, zugegeben, es ist ja immer so ein Drahtseilakt mit dem Erwartungsmanagement. Niemand hat im Vorfeld von Cro einen revolutionären recrolutionären Bahnbrecher von Deutschrapalbum erwartet, wie beispielsweise vor etwa einem Jahr von Casper. Vielmehr verlangte die gigantische Hypewelle per se nach möglichst schnellem Nachschub in Form von neuem Material. Allein schon, um ein smoothes Weitersurfen zu ermöglichen. Dabei erfindet Raop das Rad nicht neu und Cro sich selbst auch nicht. Es wurde wieder nach dem bekannten Erfolgsrezept gekocht und schmecken tut es immer noch. Dabei herausgekommen ist einfach ein verdammt gutes Ra(o)palbum, das Hunger auf mehr macht. Punkt.

hurricanezweinulleinszwei

by Malte on Juli 18, 2012

Ein jeder ist seines Filmes Regisseur

Die Idee von einem allumfassenden Manifest mit Review-Charakter machte es sich in meinem Kopf gemütlich, als ich nach dem Hurricane-Festival erschöpft im Bett lag. Auftritte wiedergeben, die Grundstimmung auf dem Campingplatz einfangen, das Festival in Worten konservieren, das war der Anspruch an mich selbst. Doch, ganz ehrlich:

Schwachsinn.

Je öfter ich mir den Wochenendwirbelsturm nämlich durch den Kopf fegen ließ, umso klarer wurde mir, dass eine derart bunt durcheinandergewürfelte Ansammlung von Menschen, Musik und Suff hervorragender Nährboden für vor allem eins ist: Momente. Und da hat nun einmal jeder seine ganz persönlichen erlebt.

Fest eingebrannt hat sich etwa die überlaufende Freude in den Augen meines Kumpels, als seine unanfechtbare Lieblingsband Mumford & Sons die Bühne betrat. Oder, wie während The XX grad das Intro eines ihrer Songs in die Abenddämmerung hinausdudelten, die Nachricht vom 1:0 der deutschen Nationalelf über die Leinwand flimmerte. Oder, wie ich an einem regnerischen Sonntagmorgen um 12 vor der Bühne stand, auf der die unglaublichen We Are Augustines eines der privatesten Konzerte meines Lebens spielten. Oder, wie ich in den frühen Morgenstunden mutterseelenallein, heillos betrunken und orientierungslos auf dem Campingplatz herumirrte. Oder, wie ich pietätlos den Zeltreißverschluss aufzippte, um meinen Zeltmitbewohner mittendrin statt nur dabei zu erwischen.

Oder, oder, oder.

Wenn man diese Momente zusammenschnipselt, kommt dabei mein ganz eigener Erinnerungsfilm heraus. Und wenn jetzt jeder einzelne der 70.000 Besucher rückblickend seinen ganz persönlichen Streifen ablaufen hat, ist es dann nicht komplett sinnentfremdet, hier einen Beitrag mit Anspruch auf ansatzweise Vollständigkeit schreiben zu wollen?

Ja. Und deswegen tu ich genau das einfach nicht, sondern sage einfach nur:

Danke Hurricane 2012!

I woke up to the sound of German Hip Hop in my head

by Malte on April 10, 2012

„Fard küsst Farid Bang zärtlich mit Zunge!“

Wie der ein oder andere mitbekommen haben mag, schaffte in letzter Zeit eine ganze Reihe deutscher Sprechgesangskünstler den Sprung von einem gewissen Level an Szenebekanntheit ins mediale Rampenlicht der Popmusik. Man erinnere sich beispielsweise an Marteria und sein Türen eintretendes Album „Zum Glück in die Zukunft“, Casper mit seiner genreübergreifenden Gratwanderung „XOXO“ oder die frechen Kraftklub und ihr Debüt „Mit K“. Nach einer Phase in der deutscher Rap vor allem mit einer gehörigen Portion an Fremdscham assoziiert wurde, machte eine Handvoll innovativer und erfolgreicher Releases ihn wieder salonfähig. Nicht zu vergessen in dieser Namensaufzählung ist wohl auch der notorische Pandamaskenträger Cro, der kürzlich von einem riesigen Internethype in die Aufmerksamkeitsspanne einer breiteren Öffentlichkeit getragen wurde. Entdeckt und maßgeblich gefördert wurde dieser dabei übrigens von einem gewissen Kaas. Und damit stoßen wir nach ausschweifendem Einleitungsgeplänkel auch endlich mal zum eigentlich Kern des Artikels vor.

Bild von der offiziellen Facebookfanpage

Besagter Kaas ist nämlich seit geraumer Zeit, nebst seiner Solokarriere, gemeinsam mit Tua, maeckes und Plan B als Die Orsons unterwegs. Paradox daran scheint, dass diese schon seit 2007 als solche existieren und rapintern bereits für einiges an Aufsehen gesorgt haben. Einem Großteil der Kiddies, die fleißig Cro & Co auf Pinnwänden teilen, scheinen sie allerdings noch kein Begriff zu sein. Die Chancen stehen jedoch nicht schlecht, dass sich dies in absehbarer Zeit ändern wird.

Angefangen hat alles als Reaktion auf die eingangs erwähnte Stagnation der deutschen Rapszene. Ein von Regeln und Normen geprägtes Genre schrie förmlich nach einer radikalen Gegenbewegung. Die Orsons traten auf den Plan und riefen mit ihrem ersten Release „Die Orsons Das Album“ ambivalente Reaktionen hervor, was angesichts des verfolgten Programmes nicht allzu verwunderlich war. Alles, was sich als szenetypischer Standard in den Köpfen manifestiert hatte sollte ins genaue Gegenteil umgekehrt werden. So rappten Die Orsons auf Tracks mit Titeln wie „Die Orsons bauen eine Schaukel“ oder „Letsbananaholladancewoosh“ über Liebe, Blumen und Freiheit und veralberten die Engstirnigkeit der gesamten Szene. Nach ihrem zweiten Release „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit, Orsons“ und einer Tour als Vorband von Fettes Brot, zogen sich Die Orsons einige Zeit mit dem Ziel zurück, einen gemeinsamen, einheitlicheren Sound zu finden, mit dem alle Bandmitglieder sich zu 100% identifizieren können. Als erstes Produkt dieser Phase gibt es nun eine EP zu hören, die vor allem eins macht: Lust auf mehr.

Die neun Track starke Jetzt EP, die der aktuellen Ausgabe des Hip Hop Magazins JUICE beiliegt, beweist, dass Die Orsons mittlerweile bereit für ein größeres Publikum sind. Pumpende, dubsteppig angehauchte Beats treiben durchweg humoristische Texte nach vorne, die augenzwinkernd die gesamte deutsche Rapszene auf die Schippe nehmen. Cro-Entdecker Kaas beispielsweise, pflanzt dem Hörer das Bild von zwei sich zärtlich küssenden Ikonen des deutschen Gangsterrap (Fard und Farid Bang) in den Kopf. Tua proklamiert währenddessen Die Orsons als „besten deutschen Live-Act seit DJ Bobo“. Der ganz normale Orsons-Wahnsinn ist allgegenwärtig, jeder einzelne Track sprüht vor Kreativität und Wortwitz und es scheint unmöglich sich ein latentes Dauerschmunzeln aus den Mundwinkeln zu wischen. Es werden aber durchaus auch ruhigere Saiten angeschlagen. So befasst sich der Titeltrack „Jetzt“ beispielsweise mit dem Blick auf die Gegenwart, der aus der Zukunft heraus rosiger aussehen mag. “Heut‘ wird das Früher sein für unsere Kinder“.

Man darf wohl gespannt sein, ob Die Orsons dieses Jahr vollends den kommerziellen Durchbruch schaffen. Zu gönnen wäre es diesem bunten Blumenstrauß an Rappern, die seit ihrer Gründung für permanent frischen Wind in einem ehemals von Dogmen und Normen dominierten Musikgenre sorgen.

Formt das O!

Einfach so.

by Lennart on März 21, 2012

Letztens. Wieder einmal ist ein Semester vorüber. Ich habe gelernt, die Klausuren überstanden und endlich frei. Auf dem Weg nach Hause, nach Bremen, will ich noch einen Abstecher in Holland, bei meinem besten Freund machen, der dort studiert. Ich habe mir im Vorhinein ein Bett im Nachtzug gebucht, mein Zimmer und die WG aufgeräumt und alles gepackt. Da besagter Nachtzug allerdings wirklich nachts fährt, muss ich an meinem Umsteigebahnhof in Stuttgart anderthalb Stunden warten. Dienstagabend halt. Da gibt es keine bessere Verbindung.

In Anbetracht dieser langen Zeit des Stillstandes habe ich in Tübingen extra nichts mehr gegessen (in meinem Kühlschrank herrschte eh schon gähnende Leere) und geplant das nachts am Stuttgarter Hauptbahnhof nachzuholen. Ich komme also an, gehe entspannt zu einem Fastfoodrestaurant… und… Pech gehabt: Geschlossen. Ich sehe allerdings an der anderen Tür den Sicherheitsmann, der jedoch nur noch Leute raus-, aber niemanden mehr reinlässt. Trotzdem will ich mein Glück versuchen und frage nett, ob ich noch schnell rein dürfe, sie würden die Reste doch bestimmt noch verkaufen wollen. „Nein, tut mir Leid. Da kann ich nichts machen, sonst kriege ich Ärger mit meinem Chef.“

Ich bin genervt, weil ich Hunger habe und genervt, weil mir die Wartezeit so noch länger vorkommen würde. Also greife ich zu meinem Smartphone, um die Suchmaschine meines Vertrauens zu fragen, ob ich irgendwo in der schlafenden Stadt noch etwas Essbares bekommen könne.  Wie ich da so stehe, tippt mich auf einmal jemand von hinten an der Schulter. Während ich mich umdrehe, überlege ich, wer das wohl sein könne. Hat mich jemand von hinten erkannt? Wollte man mich von meinem Platz vor dem Fastfoodrestaurant vertreiben? Hatte ich irgendwo etwas verloren, das mir ein netter Finder wiedergeben wollte?

Alles falsch, es war der Sicherheitsmann. Lächelnd streckt er mir eine Tüte entgegen: „Ich habe nochmal mit meinem Chef gesprochen, die Reste hier brauchen wir nicht mehr.“ – „Einfach so?“ – „Einfach so.“