Allez les rouges!

by Malte on Juli 5, 2016

Ein Waliser auf der Reise seines Lebens

Wales war eine halbe Ewigkeit bei keinem großen Fußballturnier dabei. 58 Jahre, um genau zu sein. Das ist eine lange Zeit; da staut sich einiges an. Und das entlädt sich jetzt bei der EM in Frankreich. Da sind die Waliser nämlich nicht nur dabei, sie stellen das Turnier sogar gehörig auf den Kopf. Nach einem Überraschungssieg gegen Belgien stehen sie verdient im Halbfinale und dürfen vom ganz großen Wurf träumen.

Steve Ellul ist Wales-Fan. Mit Leib und Seele. Für den 46-Jährigen ist das EM-Märchen der Dragons ein einmaliges Erlebnis. Er ist in Frankreich mittendrin in der Walesmania, sitzt bei jedem Spiel auf der Tribüne, feiert die Party seines Lebens. Seine Erfahrungen hält er in Kolumnen für die International Business Times, in Video-Blogs für SkyNews und auf Twitter als @pieayatollah27 fest. Der richtige Mann also für einen Plausch über eine kleine Fußballnation, die jetzt ganz groß rauskommt. Und einen Trip, den er nie vergessen wird.
Steve 1

dpr: Was waren bisher die Highlights deiner EM-Reise?

Steve: Da fallen mir sofort zwei Momente ein. Ich habe einige Tränen vergossen, als das walisische Team zum ersten Spiel (gegen die Slowakei) in Bordeaux den Rasen betreten hat. Die Erkenntnis, dass Wales zum ersten Mal in meinem Leben die Gruppenphase eines großen Turniers erreicht hat – das war emotional. Wales ist eigentlich eine Rugbynation. Und deshalb ist es schon überwältigend, dass jetzt auch Fußballfans wie ich stolz darauf sein können, was wir erreicht haben. Ich dachte nie, dass ich diesen Tag erleben würde. Meinen Freunden und meinem Bruder ging es in den Minuten vor dem Anstoß ähnlich. Und dann war da noch der letzte Freitag in Lille, einfach die ganze Erfahrung – nicht nur unser Sieg gegen Belgien und die Art und Weise, wie wir gewonnen haben. Es war die Atmosphäre vor und nach dem Spiel mit den – wie ich finde – besten Fans des Turniers, den belgischen 1895. Für sie steht die Party an erster Stelle, das Ergebnis ist fast egal. Versteh‘ mich nicht falsch: Ich glaube, sie haben fest mit einem Sieg gerechnet. Aber sie waren unglaublich faire Verlierer und viele drücken jetzt Wales die Daumen für das Spiel gegen Portugal.

dpr: Wie haben die Franzosen denn auf tausende ausgelassene Waliser in ihren Städten reagiert?

Steve: Bordeaux war eine unglaubliche Stadt für den Auftakt unserer Reise. Die Einheimischen haben die mehr als 25.000 Fans im Stadion und die Massen in den Bars und der Fan-Zone mit offenen Armen empfangen. Es herrschte die reinste Party-Atmosphäre. Ich glaube die Franzosen waren überrascht von der guten Laune, die die Waliser in ihre Städte gebracht haben. Ich war in Bordeaux, Toulouse, Paris, Lille, Valenciennes und der Dordogne unterwegs. Je weiter wir im Turnier kommen, desto mehr Franzosen erkennen mein Aaron Ramsey-Trikot (keine Angst, ich trage es nur an Spieltagen und wasche es auch zwischendurch) und sind uns immer freundlicher gesonnen.

Steve und Kumpel Ian machen neue Freunde ©Steve Ellul

Steve und Kumpel Ian machen neue Freunde ©Steve Ellul

 

dpr: Wales‘ Sieg gegen Belgien war  das bisher wahrscheinlich beste Spiel des Turniers. Wie hast du diese Nacht in Lille erlebt?

Steve: Ich versuche immer noch zu begreifen, was da passiert ist. Nach dem Spiel haben wir erst in der Innenstadt von Lille mit den Belgiern gefeiert. Dann wollten wir es ein bisschen ruhiger haben. Der Adrenalinspiegel sank, als wir in einer Hotelbar bei dem ein oder anderen Bier versuchten, dieses Wunder von einem Spiel zu verstehen. Ich schüttelte immer wieder ungläubig den Kopf, grinste in mich hinein und fing an, laut zu lachen. Meinem Bruder und meinen Freunden – einer von ihnen ist extra zur EM aus Australien eingeflogen – ging es genauso. Solche Dinge passieren Wales einfach nicht… Niemals. Ich verstehe immer noch nicht, wie wir gegen die angeblich zweitbeste Mannschaft der Welt so kaltschnäuzig sein konnten. Am nächsten Morgen bin ich dann durch Lilles Altstadt gelaufen und habe gegrinst, als ob Claudia Schiffer zuhause auf mich wartet.

dpr: Wales ist eine kleine Fußballnation. Vor ein paar Wochen hätten wohl die wenigsten auf euren Halbfinaleinzug gewettet. Was ist das Geheimnis der Waliser?

Steve: Es gibt kein Geheimnis. Wir sind eine stolze, unabhängige Fußballnation. Das walisische Motto „Gorau Chwarae Cyd Chwarae“ heißt so viel wie: „Zusammenspiel ist das beste Spiel.“ Unser Hashtag #TogetherStronger bringt das auf den Punkt. In unserer Mannschaft gibt es keine großen Egos, obwohl der teuerste Spieler der Welt für uns aufläuft. Der walisische Fußballverband hat ein System aufgebaut, das dem in Deutschland sehr ähnelt. Acht Spieler aus unserer Startelf gegen Belgien haben von der Jugend an zusammengespielt. Bei so viel Verständnis und Zusammenhalt ist es fast so, als würden sie in einer Vereinsmannschaft spielen.

Vor dem Anstoß: Wales gegen Belgien ©Steve Ellul

Vor dem Anstoß: Wales gegen Belgien ©Steve Ellul

 

dpr: Und jetzt, da die walisische Mannschaft so weit gekommen ist: Wohin geht die Reise noch?

Steve: Das möchte ich lieber nicht beantworten. Aber ich sage mal so: Chris Coleman hat dazu aufgerufen, zu träumen und keine Angst vorm Scheitern zu haben. Mit ein wenig Träumerei haben wir aber keine größere Chance, ins Finale zu kommen. Portugal hat bisher effektiv gespielt – aber nicht überwältigend. In vielen Belangen sind sie weniger gefährlich als die Belgier. Aber wir müssen ohne zwei gelbgesperrte Schlüsselspieler (Aaron Ramsey und Ben Davies) auskommen. Darunter könnte unsere Verteidigung und die Anzahl unserer Torchancen leiden, auch wenn unser Spielsystem unverändert bleibt. Ich habe heute gelesen, dass wenn wir Portugal schlagen und Deutschland Frankfreich besiegt, Wales automatisch für den Könfederationen-Cup 2017 in Russland qualifiziert ist – bevor das Finale am Sonntag überhaupt angepfiffen ist… Das ist komplett verrückt!!!

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