Curse ist zurück!

by Lennart on Februar 9, 2015

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Das Publikum im Bremer Lagerhaus skandiert es unaufhörlich: „Curse ist zurück! Curse, Curse ist zurück!“  Es ist das erste Konzert des Rappers in Bremen seit er vor fünfeinhalb Jahren  auf der Breminale aufgetreten ist. Der Mindener ist älter geworden und das Publikum auch. Kein Vergleich zu Konzerten von Rappern der jüngeren Garde, wo ich mich schon alt fühle; hier, bei Curse, liege ich mit meinen 24 Jahren unter dem Altersschnitt. Es sind viele Fans da, die den Weg des Rappers schon lange verfolgen und sich darüber freuen, dass er wieder Musik macht. Statt „Zugabe“-Rufen schallt es immer wieder „Curse komm’ zurück! Curse, Curse komm’ zurück!“ durch den Veranstaltungsort.

Zu dem Konzertbesuch habe ich mich sehr spontan entschieden. Eigentlich bin ich nicht der Typ, der alleine auf Konzerte geht oder alleine in den Urlaub fährt. Womöglich verpasse ich da vieles, aber für gewöhnlich suche ich mir lieber Menschen, mit denen ich Dinge zusammen mache. Als ich mittags vor dem Konzert noch twitterte, ob jemand mitkommen möchte, habe ich nicht unbedingt mit einer Antwort gerechnet. Allerdings gab es eine Reaktion auf den Tweet: Er wurde genau einmal favorisiert. Von Curse höchstselbst. Spätestens ab dem Moment hatte ich so eine Lust auf das Konzert, dass ich eine Verabredung mit Freunden sausen lassen und mich auf den Weg ins Lagerhaus gemacht habe.

An der Abendkasse gibt es noch wenige Karten, insgesamt ist die Location gut gefüllt. Überraschenderweise gibt es keinen Supportact, der Künstler erscheint um kurz nach acht selbst auf der Bühne und beginnt die Show mit alten Klassikern: Warum nicht, Hassliebe oder Und was ist jetzt?. Zwischendurch werden immer wieder Lieder des neuen Werkes „Uns“ eingestreut, allein die Alben Sinnflut und Freiheit kommen etwas kurz. Insgesamt ist für alle Anwesenden etwas dabei. Seine Band besteht aus drei Leuten: Den beiden Drummer Schneidi und Jan, sowie Kilian am Keyboard. Grade die beiden Trommler gefallen mir als ehemaligem Schlagzeuger sehr, da sie noch mehr Druck in die Songs bringen. Musikalisch ist es eine sehr runde Sache.

Curse ist nicht nur als Mensch älter, sondern auch als Künstler erwachsener geworden. Anders als bei einigen anderen Rappern, die schon lange im Geschäft sind, wirken seine neuen Lieder nicht des Geldes wegen dahin geschrieben, sondern ausgereift, durchdacht und konzentriert. Der Mindener hat in der Promophase zur aktuellen Veröffentlichung betont, dass er sich in seinen Texten auf die Essenz konzentriert und alles Unnötige weggelassen hat. Dadurch ist ein sehr reiches, tiefes Werk entstanden, über das mein Vater während einer gemeinsamen Autofahrt gesagt hat: „Wenn ich diese CD höre, kann ich über nichts anderes mehr nachdenken, weil sie so intelligent ist!“

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Nach gut zwei Stunden, in denen der stark erkältete Rapper alles gegeben und in denen er zwischen den Zeilen Hoffnung gemacht hat, dass es zum nächsten Album kürzer dauern könnte, neigt sich die Show dem Ende zu. Mit seinen Texten und Geschichten hat er die Zuschauer berührt und ein Hoch auf die Freundschaft, ja, eine Ode an das Wir verfasst. Die Gäste verlassen das Lagerhaus mit einem wohligen Lächeln im Gesicht und der Gewissheit: „Curse ist zurück!“

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