Rote Doppeldeckerbusse

by Malte on August 6, 2013

Funktionieren. Mit dem Menschenstrom mitschwimmen. Durch U-Bahn-Tunnel, durch Ampelphasen, in rote Doppeldeckerbusse hinein und wieder heraus. Augenkontakt vermeiden, dem Gegenüber auf engstem Raum seine Privatsphäre lassen. Lieber auf das Smartphone starren, die Kopfhörer in den Ohren, irgendetwas lesen. Es geht niemanden an, was irgendjemand hier verloren hat. Jeder spielt seinen Part in einem niemals endenden Theaterstück, das jeden Tag aufs Neue aufgeführt wird. Vermutlich ist es Glück, das irgendwo zwischen all den Mind-the-Gaps und dem Sirenengeheul und dem nicht endenden Gepiepe der Oyster-Cards liegt. Wenn das stimmt, hat noch niemand es gefunden. Kein Innehalten, bis spät am Abend, wenn man die Anzahl der Feierabendbiere an den müden Blicken ablesen kann. Die Stadt atmet auf und vielleicht grinst sogar jemand kurz. Und am nächsten Tag geht es weiter durch das Gedränge, durch die unvermeidbaren Schulterrempler, durch die gemurmelten Sorry-Mates und Excuse-Mes, die einer jeden Aufrichtigkeit schuldig bleiben. Vorbei an den Bauarbeitern mit gelben Westen und bellendem Cockney-Akzent. Heranrauschende Busse mit ausgestrecktem Arm heranwinken. Alle Sprachen dieser Welt an einem Tag hören. Rechts auf der Rolltreppe stehen, während das Leben an einem vorbeizieht. Strampeln, um nicht unterzugehen. All das für eine 0 auf dem Kontoauszug am Ende des Monats. Doch das ist es wert.

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