Abschied.

by Lennart on Mai 15, 2013

Leere.

Als König Otto 1995 nach gut 14 Jahren von den Bayern abgeworben wurde, konnte ich vielleicht grade mal einem Ball hinterher rennen, von der Bundesliga wusste ich allerdings noch nichts. Da meine Eltern sich kaum für Fußball interessierten, meine Oma Bayern- und mein Opa HSV-Fan waren, war der Weg zum großartigsten Verein der Welt gar nicht mal so einfach. Aber trotzdem, hab ich irgendwann in der grauen Zeit nach Otto Rehhagel so langsam mitbekommen, dass da ein Verein ist, der ganz schön sympathisch ist; auch wenn die Zeit unter Aad de Mos, Dixie Dörner, Wolfgang Sidka und Felix Magath alles andere als erfolgreich war. Man sucht sich seinen Lieblingsverein ja selten selbst aus, sondern wird eher vom Verein gefunden. So war es auch in den späten 90ern als ich gemerkt habe, dass Werder ein Club ist, zu dem man stehen kann, zu dem man hält.

 

 

Mein erster Stadionbesuch am 07.051999 war zugleich auch das letzte Spiel mit  „Quälix“ Magath. Unter Thomas Schaaf ging es dann so richtig los: Gleich mit seinem ersten Spiel schaffte er den entscheidenden Schritt zum Klassenerhalt und einige Wochen später gelang sogar der DFB-Pokal-Sieg gegen den übermächtigen FC Bayern. Durch München wehte am nächsten Tag ein kalter Wind, Menschen hasteten tränenblind. (Ganzes Lied der Original Deutschmacher) Thomas Schaaf führte Werder vom graue Maus-Status wieder nach oben und etablierte Werder auf Jahre in der Champions League. 2004 wurde das Double gewonnen, 2009 holte er das dritte Mal den DFB-Pokal nach Bremen. Zusätzlich wurden wir noch zwei Mal Vizemeister, standen zwei Mal im Pokalfinale und erreichten 2009 sogar das Finale des UEFA-Cups.

Trotz all dieser Leistungen stagnierte die fußballerische Entwicklung der Mannschaft in den letzten Jahren. Sie stand zwar immer noch für das Besondere und bot auch Dinge an, allerdings musste man mit ansehen, wie andere Teams taktisch an Werder vorbeizogen. Die Rücktrittsforderungen im Bremer Umfeld mehrten sich und glichen zunächst häufig dem gleichen Muster: „Man muss einfach mal was neues ausprobieren.“ Dabei ist Neues erst mal nur neu; nicht unbedingt besser. Ich bin froh, dass die Vereinsführung dieser Hauruck-Logik nicht blind gefolgt ist und Schaaf nicht Hals über Kopf über Bord geworfen hat, um wenigstens etwas versucht zu haben.

Mit dem Rücktritt Klaus Allofs‘ im vergangenen Herbst und der Verpflichtung des nahezu unbekannten Sportdirektors Thomas Eichin kam frischer Wind in den Verein. Er konnte als Außenstehender erfrischende neue Perspektiven einbringen und viele wünschten sich, dass er mit einem neuen Trainer in die kommende Saison gehen würde. Als es heute Morgen dann allerdings endgültig war, dass Schaaf und Werder getrennte Wege gehen war mein Kopf leer. Auch wenn es rational richtig zu sein scheint, verbinde ich mit dem Menschen Thomas Schaaf so unglaublich viel, dass mir der Abschied nicht leicht fällt. Ihm selbst geht es nicht anders, was dieses emotionale Video zeigt:

Und so hört die Werder-Zeit eines großartigen Menschen auf, der seit seinem elften Lebensjahr im Verein war. Eine ganze Generation von Werder-Fans kann es sich gar nicht vorstellen, dass jemand anderes als Thomas Schaaf die Spieler von der Seitenlinie aus dirigiert. Mit seinem ersten Spiel als Trainer konnte er Werder vor dem Abstieg retten und auf den Tag genau 14 Jahre später schließt sich dieser Kreis. Danke für die wundervolle und erlebnisreiche Zeit dazwischen!

Danke, Thomas Schaaf! Lebenslang Grün-Weiß!!

2 comments

Dörner hört sich an wie Döner! Lol!

by Johannes on 15. Mai 2013 at 22:02. Antworten #

Fast! Ist dann aber doch der Mann hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Hans-J%C3%BCrgen_D%C3%B6rner_(Fu%C3%9Fballspieler) 😉

by Lennart on 15. Mai 2013 at 22:03. Antworten #

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