Surreale Lebenslust

by Malte on Oktober 5, 2012

Momentaufnahmen aus Valencia

Das Leben pulsiert durch das Labyrinth aus Gassen und Seitenstraßen, der Geruch von Benzin hängt leise in der stillstehenden Luft und der Klang von Autohupen füllt die hellbraunen Häuserschluchten. Ich lege meinen Kopf in den Nacken, schaue nach oben in den wolkenlosen Himmel und kneife die Augen beim Blick in die grelle Nachmittagssonne zusammen. Vielleicht ist die drückende Hitze schuld oder die eigene Unausgeschlafenheit, doch ich fühle mich, als würde ich träumen. Die gesamte Situation erscheint mir surreal, als wären die unzähligen Menschen auf der Straße nur engagierte Statisten in einem Theaterstück, das für die Touristenscharen tagtäglich aufgeführt wird.

Typische Straße in Valencia

Die Zigarette schmeckt stark und hinterlässt ein angenehmes Schwindelgefühl. Ich sitze auf dem einzigen sonnenbeschienenen Fleck der Calle Conquista, in der mir eine humpelnde Taube Gesellschaft leistet. Ich frage mich, wie genau ich hier eigentlich hergekommen bin, doch irgendwie gefällt es mir hier und auch dieses Gefühl. Nicht weit entfernt baut der Barmann seine Stühle auf und Beatriz tritt gerade aus der Tür heraus, um mit Paco, dem kleinen Hund mit dem umgedrehten Bein, spazieren zu gehen.

Ich spüre, wie der Sand angenehm zwischen meinen Zehen kitzelt, während das Meer leise im Hintergrund wispert. Der Wind streichelt mir leicht über den nackten Rücken und ich merke noch, wie ich in Richtung Schlaf davondrifte.

Valencias Strand mit Palmen

Mit Sand in den Haaren und dem Geruch von Sonnenmilch und Sommer auf der Haut sitzen wir im Taxi und gleiten durch Kreisverkehre. Im lauen Schein der Abendsonne unterhalten wir uns mit dem Taxifahrer in gebrochenem Spanisch über Musik, um letztendlich bei Pink Floyd zu landen. Dann ist es einer dieser Momente und wir schweigen im stillen Einverständnis und gucken durch unsere Sonnenbrillen aus dem Fenster, weil es so am Besten ist.

Wildes, unruhiges Menschengedränge und sorgenfrei nach oben emporgestreckte Hände umringen mich. Wir tanzen zu schlechter Musik unter dem wolkenfreien Sternenhimmel, einfach um nicht still zu stehen, um noch nicht den unerwarteten Morgen begrüßen zu müssen. Es ist schon spät oder vielleicht auch früh, doch das ist hier so und kümmert auch keinen und mich in genau diesem Moment am allerwenigsten.

Dumpfe Glockenschläge hallen durch die laue Sommernacht, während ich im dreckigen Unterhemd mutterseelenallein bei geöffnetem Fenster auf der Couch im Wohnzimmer sitze. Gegen das leichte Hungergefühl im Bauch hole ich mir eine Kiwi auf einer Untertasse und trinke dazu ein kühles Wasser ohne Kohlensäure direkt aus der Plastikflasche. Die mit Ornamenten verzierte Decke ist hoch und macht, dass ich nicht einen müden Gedanken ans Schlafen verschwende. Der Moment im Mondlicht ist wertvoller als alle Ruhe, die ich niemals finden werde.

Fotos: Kolja Czudnochowski

 

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