Der Panda im Affenzirkus

by Malte on Juli 25, 2012

Die einen sind Cro, die anderen contra

Ein Hin- und Herüberlege, war es. Orakel wurden befragt, Münzen geworfen und sich nächtelang schlaflos und schwitzend im Bett herumgerollt. Zugegeben, eine ein wenig überspitzte Darstellung der Wirklichkeit. Doch bei dem Grad an Mäulerzerreißung, den das weltweite Netz zum Thema Cro momentan erlebt, sollte man schon genauestens abwägen, ob man sich in die schier endlose Meute selbsternannter Musikkritiker einreihen will. Trotz drohender Trivialitätsgefahr, war ein Stellungsbezug zu dem Debütalbum des Stuttgarter Pandamaskenträgers dann doch zu prädestiniert für diese deutschrapaffine Plattform, als dass man den Hype unkommentiert hätte vorbeiziehen lassen können.

Wer das letzte Jahr als Eremit verbracht hat, dem soll an dieser Stelle noch eine fixe Kurzzusammenfassung gewährt werden. Ein Suchaufruf per Tweet von Gute-Laune-Rapper und Orsons-Mitglied Kaas war der Stein des Anstoßes. Cro konnte ausfindig gemacht und für das Stuttgarter Indie-Label Chimperator verpflichtet werden. Kurz darauf erschien das Video zur Hitsingle „Easy“, welches mittlerweile fast 24 Millionen Klicks auf YouTube verbuchen kann. Der bürgerliche Carlo Waibel avancierte über Nacht zum zentralen Gesprächsthema der Deutschrapszene, nicht zuletzt wegen seiner Pandamaske, die er in der Tradition eines Sido stets zu tragen pflegt. Mit seinem unbeschwerten, radiotauglichen Sound kommt er dabei so ziemlich bei jedem an, vom 11-jährigen Schuljungen bis hin zur Hausfrau in den Mittvierziegern – und erntet dafür natürlich innerhalb der Rapszene einiges an Spott und Verachtung. Hipsterrapper, Marketingprojekt, Kommerzhure – das sind wohl die gängigsten Vorwürfe gegen Cro, der es laut lauten Kritikerstimmen nicht richtig real gekeeped hat. Der Charteinstieg auf die 1 des kürzlich veröffentlichten Albums „Raop“ gießt dabei noch einmal zusätzliches Öl ins Feuer und heizt die Diskussion um den Maskenmann weiter an.

Fernab aller Sellout-Vorwürfe und Hassbekundungen kann ich für meinen Teil nur behaupten, dass ich mich seit Albumrelease in Gefangenschaft der Cro’schen Dauerschleife befinde. Allmorgendlich wache ich mit einem anderen Cro-Song im Kopf auf, der mich direkt dazu veranlasst das Album sofort anzuschmeißen. Der nächste Hördurchgang sorgt dann zuverlässig dafür, dass sich ein weiterer Ohrwurm in meinem Gehörgang einnistet und ich das Album erneut spielen muss. Ein bislang nicht endender Teufelskreis mit akuter Überhörungsgefahr.

Cro rappt lässig über boom-bappig anmutende Beats, die die 90er gekonnt in die heutige Zeit verpflanzen. Thematisch wird fast ausschließlich bekömmliche Kost geboten, wobei die 13 Track starke Platte textlich von jugendlicher Unbeschwertheit und blauäugiger Lebensfreude getragen wird. Meine persönlichen Highlights sind, abgesehen von „Easy“, dabei das technisch versierte „Intro“, die Ohrwürmer „King of Raop“, „Du“ und „Einmal um die Welt“ sowie das Nackenmuskelkater verursachende „Meine Zeit“. Die Songs sind durchweg eingängig und lassen ungetrübte Sommerstimmung aufkommen, wobei jedoch jeglicher Tiefgang (abgesehen von „Ein Teil“) vergeblich auf sich warten lässt.

Mein abschließendes Fazit: Cro hat amtlich abgeliefert. Direkt am Anfang des ersten Introparts proklamiert der Panda in routinierter Doubletime er habe „wieder mal Erwartungen übertroffen.“ Und ich finde das hat er auch. Doch, zugegeben, es ist ja immer so ein Drahtseilakt mit dem Erwartungsmanagement. Niemand hat im Vorfeld von Cro einen revolutionären recrolutionären Bahnbrecher von Deutschrapalbum erwartet, wie beispielsweise vor etwa einem Jahr von Casper. Vielmehr verlangte die gigantische Hypewelle per se nach möglichst schnellem Nachschub in Form von neuem Material. Allein schon, um ein smoothes Weitersurfen zu ermöglichen. Dabei erfindet Raop das Rad nicht neu und Cro sich selbst auch nicht. Es wurde wieder nach dem bekannten Erfolgsrezept gekocht und schmecken tut es immer noch. Dabei herausgekommen ist einfach ein verdammt gutes Ra(o)palbum, das Hunger auf mehr macht. Punkt.

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