Leerstellen

by Lennart on Januar 8, 2012

Stress scheint ein außerordentlich prägendes Phänomen unserer Zeit zu sein. Spätestens seit den Fällen Enke, Miller, Rangnick und Rafati ist der Burn-Out zur Modekrankheit geworden, die die Medien mehr und mehr dominiert. Ob es wirklich häufiger auftritt oder nur verstärkt diagnostiziert wird, ist nicht ganz klar, doch plagt uns das stetige Gefühl, gehetzter zu sein, als die Generationen vor uns. Man liest Berichte, dass „der Chinese“ so rasant aufhole, dass wir bald verloren seien. Man liest Berichte, von Kindergarten- und Schulkindern, die zusätzlich zu Englisch schon die fernöstliche Sprache lernen und fühlt sich gestrig. In unserer globalisierten Welt ist Zeit, die nicht zielgerichtet genutzt wird, verlorene Zeit.

Auch, wenn man merkt, dass diese Entwicklungen was „mit einem selbst machen“, denkt man häufig „Naja, soo schlimm ist es bei mir ja noch nicht. Zwar hab ich viel zu tun, aber die Leute mit Burn-Out hatten viel mehr um die Ohren.“ Erst wenn man mal Zeit hat durchzuatmen, merkt man, wie gut das tut. Wie sehr man solche Zeiten braucht. Schon kurze Zeiten der Entspannung geben neue Kraft. Doch jetzt, in den letzten Wochen habe ich gemerkt, wie sehr ich auch längere Auszeiten brauche. Ruhe. Zeit, die nicht sofort verplant ist. Wochen, in denen im Terminkalender nur „Semesterferien“ steht. Zeit, in der man sich ganz spontan mit Freunden trifft. Zeit, die nicht zwingend für ein Praktikum geopfert werden muss. In den zwei Wochen zu Hause, konnte ich tiefer über ungeklärte Fragen in meinem Leben nachdenken. Fragen, die sich sonst nur zwischendrin oder abends aufdrängten und von mir ebenso verdrängt werden konnten. Doch in zwei ruhigen Wochen, kann man ihnen schlechter ausweichen, diesen Fragen, wie es weitergehen soll, diesen Fragen, warum man nicht aktiver ist. Sie kommen, um zu gehen. Doch bevor sie gehen, muss man mit ihnen ringen. Und so kann einen auch diese auf den ersten Blick als Stillstand wahrgenommene Zeit weiterbringen. Vielleicht steht das nicht im tabellarischen Lebenslauf, sehr wohl aber im tatsächlichen. Kluge Arbeitgeber werden sich nicht nur von formalen Lebenserfahrungen blenden lassen, sondern merken, wenn sich in vermeintlichen Leerlaufzeiten die Persönlichkeit geformt hat. Da bin ich mir sicher.

2 comments

Na ja, um ehrlich zu sein messen Arbeitsgeber, nach meiner Erfahrung, die Persönlichkeitsformung anhand von Außer-Uni-Aktikitäten, wie Nebenjob, Ehrenamt, Vereinsarbeit, Hobby, usw. ….. Und um solche Dinge in den Lebenslauf schreiben zu können, muss man sich ihnen sehr zeitintensiv widmen….. 😉

by Sarah on 9. Januar 2012 at 11:56. Antworten #

Ja, das befürchte ich auch. Ich möchte meinem Artikel auch nicht sagen, dass man sich nicht mehr engagieren solle, meine aber, dass der ständige Praktikumswahn nicht das Allheilmittel ist. Wer ständig von Erfahrung zu Erfahrung rennt, wird nicht zwingend erfahrener als jemand, der vieles reflektiert.

by Lennart on 9. Januar 2012 at 13:32. Antworten #

Leave your comment

Required.

Required. Not published.

If you have one.



chaussures de foot chaussures de foot chaussures de foot chaussures de foot chaussures de foot philippe model outlet philippe model outlet philippe model outlet philippe model outlet philippe model outlet philippe model outlet woolrich outlet woolrich outlet peuterey outlet golden goose outlet golden goose outlet golden goose outlet golden goose outlet golden goose outlet max maillot max maillot max maillot max maillot max maillot hogan outlet online hogan outlet online hogan outlet online hogan outlet online hogan outlet online