Hugs and Kisses

by Malte on Juli 19, 2011

Es war ja wirklich ein riesiger Hype, der sich da im Vorfeld der Erscheinung von Caspers Album XOXO zusammenbraute. Blogs, die Musikpresse und zuletzt auch Feuilletons überhäuften den 28-jährigen Bielefelder mit Vorschusslorbeeren und bürdeten ihm nicht mehr und nicht weniger auf, als die Rettung eines – meiner Meinung nach fälschlicherweise – totgeglaubten Musikgenres. Was bleibt aber nun nach dem sehnsüchtig erwarteten Stichtag 08072011? Gelang es Benjamin Griffey die bis ins Unermessliche hochgepushten Erwartungen zu erfüllen oder stieg der Druck letzten Endes doch über die Grenze des Machbaren hinaus?

Ich persönlich verfolge die musikalischen Spuren von Casper seit er im Jahre 2006 das Mixtape „Die Welt hört mich“ released hat. Mir lag und liegt der Werdegang dieses Künstlers sehr am Herzen und ich war im Hinblick auf den angesprochenen Hype ein wenig zwiegespalten. Ist halt immer so eine Sache mit Erwartungen, die logischerweise viel eher enttäuscht werden, je höher sie sind. Andererseits habe ich auch begierig jeden noch so winzigen Informationsschnipsel aufgesaugt, habe Kritiken gelesen, Interviews geschaut und bin zu Live-Auftritte gefahren. Schuldig im Sinne der Anklage. Als es dann am 08.07. so weit war (danke nochmal an den DHL-Boten, der die CD in den Briefkasten GEQUETSCHT hat, anstatt sie, wie sonst IMMER, ins Büro zu bringen), habe ich mich in einer ruhigen Minute in meinem Zimmer verbarrikadiert, meine Kopfhörer rausgeholt und das Album einmal komplett durchgehört. Der erste Eindruck war überwältigend.

Ich möchte bei allem Fantum ja nun auch nicht zu betriebsblind klingen und in überzogene Lobhudeleien verfallen. Es fällt bei diesem Album aber verdammt schwer eben dies nicht zu tun. Was Herr Griffey und Konsorten hier abliefern ist ein Meisterwerk, das vergeblich seinesgleichen sucht. Ohne übertreiben zu wollen: Es ist DAS Album. Was hier passiert, entzieht und entledigt sich jeglicher Konventionen. Frei nach dem Motto „Kaputt machen, um aufzubauen“ bricht Casper mit den Regeln und Normen des Rap (kein einziger „wie-Vergleich“!), bedient sich nach Herzenslaune in diversen Genreschubladen und schnürt sein ganz eigenes, in sich stimmiges musikalisches Gesamtpaket. Jeder Song wirkt dabei für sich allein genommen geschlossen und fertig, funktioniert aber genauso im plattenübergreifenden Gesamtkonzept. Über das gesamte Album wird so das Stimmungsbild einer Generation gezeichnet, die in einer Welt grenzenloser Möglichkeiten irgendwo zwischen Depression und Resignation, Euphorie und Aufbruch stecken geblieben ist.

Aber ist das eigentlich noch Rap? Ja, das ist Rap. Rap, der alle gängigen Dogmen des Raps über den Haufen schmeißt, die gewohnten Konzepte und Schemata abstrahiert und überwindet, ohne dabei auch nur an einer Stelle nicht mehr Rap zu sein. Daraus entsteht eine Gänsehaut-Musik, die Momente schafft, in denen einem der Atem stockt, der Kloß im Hals immer größer und die Augen immer feuchter werden. Genauso aber auch Momente, in denen man wütend die Fäuste ballt und die Zähne fletscht. XOXO funktioniert dabei vor allem über regelrechte Stimmungsexplosionen. Über Spannungsbögen, die die Energie eines Songs immer weiter aufstauen, um sie dann in diesem einem Moment zu entladen, der alles andere nebensächlich erscheinen lässt. Über wirklich hervorragende Texte (und ich meine WIRKLICH hervorragende Texte), die assoziative Gedankenbilder schemenhaft vor dem inneren Auge entstehen lassen. Man gerät ins Träumen, man vergisst sich völlig in einzelnen Songs, der Musik und plötzlich geht einem ein „Michael X“ so nahe, dass man einfach überläuft. Danke für diese Platte. Ohne Scheiß.

XOXO.

Casper auf Facebook, Twitter und im Web.

Kaufen kann man das Album hier.

PS: Casper ist mit XOXO auf Platz 1 der deutschen Album-Charts eingestiegen. <3

2 comments

Sehr schöner Bericht. Es hat mir Freude bereitet ihn zu lesen.
Jedoch ist dem Autor, welcher sich fälschlicherweise versucht als Casperfan der ersten Stunde auszugeben, ein kleiner Fehler unterlaufen.
Zitat: „Ich persönlich verfolge die musikalischen Spuren von Casper seit er im Jahre 2006 das Mixtape „Die Welt hört mich“ released hat.“
Hier wird klar behauptet seit fünf Jahren Casper zu hören. In Wahrheit hingegen, lernte der Verfasser erst Ende 2006 langsam über das Internet jenigen Weggefährten kennen, der ihn lange Zeit später (2007-2008) auf die Werke Caspers aufmerksam machte.

by will.anonym.bleiben.sen on 28. Juli 2011 at 12:35. Antworten #

Hallo Jan,

ich glaube hier müssen einige Details korrigiert werden. Als Casperfan der ersten Stunde sehe ich mich keineswegs, denn vor „Die Welt hört mich“ wurden bereits „Rap Art War“, sowie die „Grundstein EP“ released, die in meinem Text nicht erwähnt werden.

Zu zweiten Punkt: Du magst Recht haben, Jahreszahlen verschwimmen in meiner Erinnerung desöfteren. Ich meinte mich jedoch zu erinnern, dass du mir relativ nah nach Release von „Die Welt hört mich“ von Casper berichtet hast. Zumindest könnte ich wetten, dass es noch in 2007 war.

XOXO, Grüße nach Israel.

Malte

by Malte on 3. August 2011 at 16:07. Antworten #

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