Unbedrohliche Urzeitechsen

by Malte on Juni 30, 2011

Onkel Igor im T-Rex-Kostüm

Jeder von uns hat sie, diese speziellen Kindheitserinnerungen. Besonders eindringliche Erlebnisse, die sich fest in die Hirnwindungen eingraben und einen auf ewig begleiten. Für mich ist es z.B. ein Fahrradunfall im zarten Alter von 4 Jahren. Oder, wie ich mit ein paar fremden Mädchen durchbrannte, um plötzlich alleine an einer Straßenecke zu stehen und nicht zu wissen, wo ich bin. Oder die Dinosaurierausstellung, zu der ich unbedingt wollte.

Ich war als Kind ein wirklicher Dinofan. Ich meine, jedes Kind ist wahrscheinlich irgendwo fasziniert von den großen Echsen, aber ich war halt ein wirklicher Dinofan. Nicht nur so bisschen mit Figürchen spielen, sondern richtig mit Hintergrundwissen und Namen auswendig kennen. Das volle Programm. Als dann eine große Dinosaurierausstellung im Bremer Überseemuseum Halt machte, war natürlich klar: da muss ich hin. Papa wurde also so lange genervt, bis die Sache geritzt war. Nach schier endloser Wartezeit, kam der große Tag. Mein Papa und ich da also rein in einen nebeligen, dunklen Raum mit riesigen, sich bewegenden Dinosauriermodellen. Zumindest in meiner Erinnerung waren die ziemlich riesig. Nach dem ersten Triceratops fand ich die ganze Geschichte dann auch nicht mehr ganz so lustig. Tränen liefen in Strömen und Klein-Malte wollte nur noch nach Hause. Verfolgt mich bis heute die Nummer.

Wie dem auch sei. Vor kurzem entdeckte ich zufällig ein Plakat. Dinosaurierausstellung in Bremen. Da muss ich hin. Und Papa nehm‘ ich mit. Der hat mich ja damals schließlich auch mitgenommen. Soll aber eine Überraschung sein. Am letzten Ausstellungssonntag den werten Herrn Vater also ins Auto eingeladen und dahingezuckelt. Mein Vater wusste bis kurz vorher nicht, wohin der Ausflug eigentlich ging. Hat sich dann aber riesig gefreut, als wir vor dem Ausstellungsgelände standen. Nachdem ich ihm damals die Ausstellung versaut habe, ist das ja aber auch das mindeste. 7€ Eintritt. Pro Person. Portokasse. Dafür war das, was man geboten bekam aber auch schon ziemlich unterirdisch. Ziemlich viele, ziemlich langweilige Styropordinos. Und ein Fernseher, auf dem eine BBC-Doku über Dinosaurier läuft. Und extrem viel Kindergewusel auf Kniehöhe. Aber das Highlight stand ja noch aus: Die Dinoshow. Das sollte also nach ca. 15 Jahren meine Prüfung werden. Ich jedenfalls war bereit. Letztendlich ging es dann in ein zirkusartiges Zelt, in dem Unmengen an Kunstnebel versprüht wurde. Nach einiger Wartezeit war es dann so weit. Der T-Rex kam. Naja. Ein Typ in einem T-Rex-Kostüm kam. War halt auch ziemlich schnell als solcher auszumachen. War mehr so der „Wir-stecken-Onkel-Igor-mal-ins-T-Rex-Kostüm-und-lassen-ihn-die-Kinder-erschrecken-egal-ob-seine-Beine-noch-rausgucken-T-Rex“. Der lief dann also, begleitet von plakativen Jurassic Park-Zitaten („Der T-Rex will nicht jagen, er will töten!“) und ein wenig übersteuertem Gebrüll aus den Lautsprechern ein paar Minuten lang im Kreis. Dann war er auch schon wieder weg.

Alles in allem also eine „echt traurige Vorstellung“ (Zitat Mutter neben uns). Und trotzdem war der Eintrittspreis für meinen Vater und mich jeden Cent wert. Ein Ausflug in meine Kindheit, ein Trauma das endlich aufgearbeitet werden konnte und zumindest ein Stückchen Wiedergutmachung meinerseits pauschal für 7€. Geht doch klar, oder?

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