Lost in Transportation oder: das Pendel des Grauens – Teil 2

by Malte on Mai 18, 2011

Alle, die sich nicht mehr an den ersten Teil meiner Berichterstattung aus dem Pendleralltag erinnern oder diesen nicht gelesen haben, können sich die Umstände meiner Hinreise hier noch einmal vor Augen führen. Wenn das erledigt ist, kann es hier mit meinen Erlebnissen auf der Rückreise von Hamburg nach Bremen weitergehen.

17.59 Uhr: Feierabend. Wird schon wieder richtig knapp. Zur Haltestelle laufen, Kurzstreckenticket kaufen, zum Bahnhof fahren und versuchen so schnell wie möglich Gleis 13 zu erreichen. Schon wieder: Menschenmassen, die mir rücksichtslos entgegenströmen. Das kann halt echt kein Zufall mehr sein. Umso eiliger man es übrigens hat, desto mehr dicke und langsame Menschen schlendern auch in einer Seelenruhe vor einem her und blockieren jegliche sich bietende Lücke. Aus dem Nichts bleiben die ganz gerne auch einfach mal komplett stehen und gucken sich irgendwas an. Bestenfalls. Manchmal bleiben sie auch einfach so stehen. Weiß der Geier warum. Ich meine da einen proportionalen Zusammenhang zwischen Grad der Eile und Ausmaß der Fluchtwegblockierung gefunden zu haben. Bin grad noch dabei die Theorie zu überprüfen und empirisch abzusichern. Sobald ich wissenschaftlich stichhaltige Ergebnisse in der Hand habe, werde ich diese hier publizieren. Versprochen.

18.14 Uhr: Ankunft an Gleis 13 in letzter Minute. Völlig außer Atem suche ich panisch den Zug und denke schon, ich hätte ihn verpasst. Die haben ja schließlich die Fernbedienung. Vielleicht ist es ja überhaupt nicht mehr 18.14 Uhr. Ein kurzer Blick auf die Anzeige am Bahnsteig lässt schnell einiges klar werden. „Der Zug verspätet sich um etwa 10 Minuten“.  Von mir aus. Kommt jetzt ja auch nicht mehr drauf an.

18.36 Uhr: Zehn Minuten mein Arsch. Egal. Rein da. Diesmal leider nicht mehr so ganz leer, wie auf der Hinfahrt. Ganz im Gegenteil. Proppevoll das Ding. Viererplatz zu viert, so wie’s sich ja auch eigentlich gehört. Der Typ mir gegenüber streckt seine Beine unverschämt weit aus, die Dicke neben ihm kann sich noch nicht endgültig entscheiden zwischen Dämmerzustand und reihenweise Twix in sich hineinstopfen und der Geschäftstyp neben mir liest seine Zeitung. Aber wie der die liest. Spannweite von garantiert 1,75m der Kollege. Dazu kommt noch die in ausnahmslos jedem Abteil anwesende Alleinunterhalterin, die, lautstark in ihr Handy bölkend, privateste Details ganz offenherzig mit allen Mitfahrenden teilt. Dabei bricht unter Garantie zwei Mal in fünf Minuten die Verbindung zusammen. Interessiert die aber nicht. Die ruft einfach nochmal an und macht weiter, nachdem sie festgestellt hat, dass sie gerade minutenlang praktisch niemandem, außer allen Mitreisenden um sich herum, erzählt hat, wie sie letztes Wochenende von einem voll sweeten Boy mit nach Hause genommen wurde. Am schönsten ist zu beobachten, wie sich nach besonders offensiven Statements besagter Dame sämtliche Hälse im Abteil recken und sich auffällig unauffällig nach der mitteilungsbedürftigen Rednerin umdrehen. Aber was soll’s. Man ist das ja gewohnt. Also iPod rein und in der schockstarrenartigen Sitzhaltung, die ich in Anbetracht meiner eher großzügig mit Platz umgehenden Reisegefährten einnehmen muss, ganz gepflegt wegschlummern. Klappt natürlich eher mittelprächtig und wenn dann doch tatsächlich mal, dann kommt eine von den freundlichen Schaffnerinnen (oder wie sie jetzt heißen: Fahrgastbegleiterinnen) und weckt einen. Um zu checken, ob man denn auch tatsächlich sein Studententicket dabei hat. Hab ich. Klar. Mach das hier ja nicht zum ersten Mal.

19.38 Uhr: Ankunft in Bremen. Schon wieder einigermaßen pünktlich. Da ist was faul. Hundertprozentig. Jetzt nur noch mit der Straßenbahn nach Hause. Da kann ja nicht mehr so viel passieren. Außer es sitzen halt Atomkraftgegner auf den Bahngleisen. WHAT THE FUCK? Demonstriert wofür ihr wollt, aber lasst mich in Ruhe nach Hause fahren. Zum Glück sitzen die nicht auf den für mich relevanten Gleisen, sonst hätt das hier aber noch was gegeben zu später Stunde.

20.12 Uhr: Endlich zuhause. Noch schnell was essen, bisschen im Internet rumhängen, zwei Seiten lesen und … düttüttüttütt.

Wer weiterführend noch etwas seriöseres Material zum Thema Pendeln und dessen Langzeitfolgen lesen möchte, sollte hier mal vorbeischauen.

 

2 comments

Vielleicht sollteste auch einfach mal früher aus dem Büro abhauen und nicht immer so rumtrödeln. Ich red mal ein ernstes Wort mit Deiner Cheffin, dass die Dich rechtzeitig raus schmeißt! 😉

by Anneken on 18. Mai 2011 at 20:33. Antworten #

glaubt nicht, dass das was bringt. die ist eher strikt, was sowas angeht. 😉

by Malte on 23. Mai 2011 at 16:13. Antworten #

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