Lost in Transportation oder: das Pendel des Grauens – Teil 1

by Malte on April 30, 2011

Seit geraumer Zeit bereits pendele ich  jobtechnisch bzw. studienbedingt (Praxissemester) notgedrungen jeden Tag von der wunderschönen Hansestadt Bremen in die ebenso schöne Hansestadt Hamburg und zurück. Dabei kam ich nicht umher relativ schnell festzustellen, dass die Berufspendler doch ein Recht eigentümliches Völkchen darstellen. Um Menschen mit normalem Weg zur Arbeit einen Einblick in die Welt dieser hermetisch vom Rest der Gesellschaft abgeschottet existierenden Bevölkerungsgruppe zu gewähren, findet sich im Folgenden ein typischer Tag aus meinem Pendlerleben.

6.00 Uhr: Weckerklingeln. Eines der abartigsten mir bekannten Geräusche. Höchstens vergleichbar mit dem Knackgeräusch von brechenden Knochen. Oder Fingernägeln auf einer Tafel. Das war’s. Die drei widerwärtigsten Geräusche der Welt sind gelistet. Was auch immer. Der Wecker klingelt, ich blinzel ein paar Mal schlaftrunken und lasse meinen Arm reflexartig richtig Snoozetaste hervorschnellen, wobei ich die fein säuberlich arrangierte Ansammlung von Dingen auf meinem Nachttisch komplett zerstöre. Dafür erst einmal 8 Minuten mehr Halbschlaf, die nach gefühlten 8 Sekunden auch schon wieder vorbei sind. Ich wundere mich echt, wer eigentlich entscheidet, wie lange die Schlummerzeit bei Weckern zu sein hat. Ich persönlich bin ja eher Fan der kurzen und schmerzlosen fünf Minuten. Da kann man wenigstens zwei Mal schlummern. Egal. Jetzt aber los, der Zug wartet nicht. Duschen, frühstücken und ab zur Straßenbahn. Ach. Anziehen nicht vergessen.

7.02 Uhr: Frühsport in Form eines Sprints zur Straßenbahn absolviert. Hätte ich die nicht bekommen, wär’s das wohl gewesen mit pünktlich sein. Aber läuft ja alles. iPod rein und abhängen.

7.27 Uhr: Ungelogen jeden Morgen das gleiche Szenario. Ich betrete den Bahnhof und mir drängeln sich sagenhafte Menschenmassen entgegen, die es auch nicht sonderlich zu interessieren scheint, dass ich gerne in die entgegengesetzte Richtung möchte. Ich muss ja nur einen Zug kriegen, während ihr gerade aus einem ausgestiegen seid. Ignorantes Pack. Ein bisschen Zeit bleibt mir dennoch, der Plan steht schnell: Kurzbesuch in meiner angestammten Kaffeebar im Bahnhof. Obwohl ich hier fast jeden Tag auflaufe und einen kleinen Kaffee zum Mitnehmen ordere, behandelt mich die Verkäuferin als wär ich ein Wildfremder. Dafür gibt sie mir standardmäßig ein kleines Stückchen Schokolade zum Kaffee. Schmeckt zwar nicht berauschend, aber ist ja umsonst. Also.

7.33 Uhr: Gleis 9, Abfahrt Metronom Richtung Hamburg. Planmäßig.

7.45 Uhr: Gleis 9, Abfahrt Metronom Richtung Hamburg. Im noch leeren Abteil habe ich freie Platzwahl und so setze ich mich alleine auf einem Viererplatz mit Tisch und boote mein Netbook. Die Fahrtzeit beträgt planmäßig (!!!) „nur“ 1:09h, zu kurz also für einen Film. Serien stattdessen. Entspannung.

8.07 Uhr: Ankunft in Rotenburg. Zug steht. Defekt am Antriebswagen, wie uns eine unglaublich penetrante Frauenstimme per Lautsprecherdurchsage wissen lässt. Gefühlt arbeitet die Frau, der sie gehört, jeden Tag. Tut sie natürlich nicht. Aber dafür, dass sie eine so erschreckend nervige und aufdringliche Stimme hat (inklusive undefinierbarem Akzent übrigens) erstaunlich oft. Entspannend auch zu beobachten, wie die Züge, mit denen ich täglich fahre, andauernd kleine Defekte haben. Muss wohl so. Nach 15 Minuten geht’s dann auch weiter. Schön. Die Hoffnung auf Pünktlichkeit schwindet. Generell die beiden anderen beliebtesten Entschuldigungen der Bahn für Verspätungen, neben solchen kleinen Defekten, sind übrigens, dass man die Durchfahrt eines anderen Zuges abwarten musste (uns lässt aber irgendwie nie jemand durch) und ein Notarzteinsatz auf der vorangegangenen Fahrt. Solche Notarzteinsätze kommen anscheinend recht häufig vor. Einmal wöchentlich ungefähr. Komisch, dass ich noch nie so einen mitbekommen habe.

8.21 Uhr: Es ist soweit. Die obligatorische Schulklasse steigt ein und erobert schreiend, mit Papierkugeln werfend das gesamte Abteil. Mein Viererplatz ist nun auch nicht mehr leer. Mit mir in geselliger Runde haben sich jetzt eine Lehrerin und zwei überaus redselige Mütter niedergelassen, die lautstark über pädagogische Finessen bei der Kindeserziehung diskutieren. Derweil verwandeln ihre Schützlinge den Zug langsam aber sicher in ein Schlachtfeld. Ruhig bleiben, gleich ist man ja in Hamburg.

8.50 Uhr: Tatsächlich. Sogar einigermaßen pünktlich bin ich in Hamburg. Keine Ahnung, wie die das immer wieder schaffen. Meine bis dato plausibelste Theorie ist, dass die die Fernbedienung von Adam Sandler in Klick nachgebaut haben und jetzt die Macht über die Zeit haben. Anders fast nicht zu erklären. Flugs ein Kurzstreckenticket für die Hamburger S-Bahn kaufen und ab Richtung Arbeit. Fast pünktlich.

To be continued.

One comment

[…] erinnern oder diesen nicht gelesen haben, können sich die Umstände meiner Hinreise hier (Teil 1) noch einmal vor Augen führen. Wenn das erledigt ist, kann es hier mit meinen Erlebnissen auf der […]

by Lost in Transportation oder: das Pendel des Grauens – Teil 2 « dasphilosophierenderondell.de on 18. Mai 2011 at 17:11. Antworten #

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